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KI-Organisation: Strategischer Aufbau für nachhaltige Wertschöpfung

  • Autorenbild: ABD-Updates
    ABD-Updates
  • 20. Juli 2025
  • 6 Min. Lesezeit

In der heutigen digitalen Transformation ist die erfolgreiche Integration von künstlicher Intelligenz (KI) nicht mehr nur eine technologische Herausforderung, sondern vor allem eine organisatorische. Unternehmen, die KI nachhaltig und gewinnbringend implementieren wollen, benötigen eine durchdachte Organisationsstruktur, klare Verantwortlichkeiten und strategische Roadmaps. Dieser Artikel beleuchtet, wie Unternehmen ihre KI-Organisation systematisch aufbauen können, um langfristigen Erfolg zu sichern.

Die KI-Organisations-Roadmap: Ein strukturierter 12-Monats-Plan

Eine erfolgreiche KI-Implementierung beginnt mit einer klaren, zeitlich definierten Roadmap. Der illustrative Fahrplan bietet einen strukturierten Ansatz, der Unternehmen durch die verschiedenen Phasen des organisatorischen Aufbaus führt – von der initialen Ressourcenplanung bis hin zur Etablierung eines umfassenden Betriebsmodells.

Phase 1: Grundlagen legen (Monat 1-3)

Erstellung eines KI-Ressourcenplans (Monat 1-2)

Der erste Schritt auf dem Weg zur erfolgreichen KI-Organisation ist die Entwicklung eines umfassenden Ressourcenplans. Dieser sollte nicht nur technologische Anforderungen, sondern auch personelle und finanzielle Ressourcen berücksichtigen.

Praxistipp: Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme vorhandener Kompetenzen und identifizieren Sie Lücken, die durch Neueinstellungen, Schulungen oder externe Partnerschaften geschlossen werden müssen. Berücksichtigen Sie dabei sowohl technische Fähigkeiten als auch Domänenexpertise.

Ernennung einer KI-Führungskraft (Monat 2-3)

Eine dedizierte Führungsperson mit klarem Mandat ist entscheidend für den Erfolg der KI-Initiative. Diese Person sollte sowohl technisches Verständnis als auch strategische Managementfähigkeiten mitbringen.

Praxistipp: Positionieren Sie die KI-Führungskraft auf einer Ebene, die direkten Zugang zur Geschäftsleitung ermöglicht. Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse, um Handlungsfähigkeit zu gewährleisten.

Aufbau einer KI-Community of Practice (Monat 3-4)

Parallel zur Führungsebene ist der Aufbau einer funktionsübergreifenden Community of Practice ein wichtiger Schritt, um KI-Wissen im Unternehmen zu verbreiten und zu verankern.

Praxistipp: Integrieren Sie Mitarbeiter aus verschiedenen Geschäftsbereichen in die Community. Schaffen Sie regelmäßige Austauschformate und stellen Sie Ressourcen für Wissensaufbau und -teilung bereit. Nutzen Sie digitale Plattformen für kontinuierlichen Austausch.

Phase 2: Externe Partnerschaften und Teamaufbau (Monat 3-8)

Initiierung externer KI-Partnerschaften (Monat 3-6)

Kaum ein Unternehmen kann alle benötigten KI-Kompetenzen intern aufbauen. Strategische Partnerschaften mit Technologieanbietern, Forschungseinrichtungen oder Beratungsunternehmen sind daher ein wichtiger Baustein.

Praxistipp: Definieren Sie klare Kriterien für die Auswahl von Partnern. Berücksichtigen Sie dabei nicht nur technologische Expertise, sondern auch kulturelle Passung und langfristige Verfügbarkeit. Starten Sie mit zeitlich begrenzten Pilotprojekten, um die Zusammenarbeit zu testen.

Aufbau eines initialen KI-Teams/Centers of Excellence (Monat 6-8)

Ein dediziertes KI-Team oder Center of Excellence (CoE) bildet das Herzstück der KI-Organisation. Es bündelt Expertise, treibt Innovationen voran und unterstützt Geschäftsbereiche bei der Implementierung.

Praxistipp: Stellen Sie ein multidisziplinäres Team zusammen, das sowohl technische Experten (Data Scientists, ML Engineers) als auch Mitarbeiter mit Geschäftsverständnis umfasst. Definieren Sie klare Leistungsversprechen gegenüber den Fachbereichen und etablieren Sie transparente Prozesse für Projektanfragen.

Phase 3: Prozesse und Betriebsmodell (Monat 8-12)

Etablierung von Prozessen für KI-Partnerschaften (Monat 9-10)

Mit zunehmender Anzahl externer Partnerschaften wird ein strukturiertes Management dieser Beziehungen erforderlich, um Synergien zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Praxistipp: Entwickeln Sie standardisierte Prozesse für Partnerauswahl, Vertragsgestaltung, Leistungsbewertung und Wissenstransfer. Etablieren Sie klare Verantwortlichkeiten für das Partnermanagement und regelmäßige Review-Zyklen.

Etablierung eines KI-Ziel-Betriebsmodells (Monat 10-12)

Als Abschluss der 12-monatigen Roadmap steht die Entwicklung eines umfassenden Betriebsmodells, das Rollen, Verantwortlichkeiten, Governance-Strukturen und Prozesse für die nachhaltige KI-Nutzung definiert.

Praxistipp: Berücksichtigen Sie bei der Entwicklung des Betriebsmodells verschiedene Reifegradstufen der KI-Adoption in unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Schaffen Sie Flexibilität für Anpassungen basierend auf gesammelten Erfahrungen und sich ändernden Geschäftsanforderungen.

Die vier Kernrollen des KI-Centers of Excellence

Ein erfolgreiches KI-Center of Excellence (CoE) übernimmt vier zentrale Rollen, die in ihrer Kombination den maximalen Wertbeitrag für das Unternehmen sicherstellen.

1. Persuade (Überzeugen)

Das CoE muss als Katalysator für KI-Adoption im Unternehmen wirken, indem es Überzeugungsarbeit leistet und Anreize schafft.

Kernaufgaben:

  • Finanzierung von Pilotprojekten

  • Bereitstellung von Fachpersonal für Geschäftsbereiche

  • Durchführung von Schulungen und Trainings

  • Organisation von Wettbewerben und Hackathons

Praxistipp: Entwickeln Sie ein Portfolio an Erfolgsgeschichten, die den konkreten Geschäftswert von KI-Lösungen demonstrieren. Nutzen Sie diese für interne Kommunikation und zum Abbau von Widerständen. Schaffen Sie niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten für Geschäftsbereiche.

2. Inform (Informieren)

Als Wissenszentrum sammelt und verbreitet das CoE Informationen über Trends, Best Practices und Learnings aus KI-Projekten.

Kernaufgaben:

  • Erstellung von Ideenkatalogen und Use-Case-Sammlungen

  • Diskussion verschiedener Ansätze und Methoden

  • Teilnahme an Konferenzen und Fachveranstaltungen

  • Einladung externer Experten und Thought Leader

Praxistipp: Etablieren Sie verschiedene Formate für den Wissensaustausch, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – von technischen Deep Dives für Experten bis hin zu Business-orientierten Überblicksformaten für Führungskräfte. Schaffen Sie eine zentrale Wissensdatenbank für KI-relevante Inhalte.

3. Enforce (Durchsetzen)

Um Konsistenz, Qualität und Compliance zu gewährleisten, übernimmt das CoE eine steuernde und regulierende Funktion.

Kernaufgaben:

  • Etablierung von Standardpraktiken und Methodiken

  • Auswahl und Verwaltung einer universellen Anbieterliste

  • Mandatierung von Projekten und Prioritäten

  • Entwicklung und Pflege eines KI-Anwendungsregisters

Praxistipp: Finden Sie die richtige Balance zwischen notwendiger Standardisierung und Freiraum für Innovation. Entwickeln Sie klare Governance-Richtlinien, die Risiken minimieren, ohne agiles Arbeiten zu behindern. Integrieren Sie ethische Prinzipien und Compliance-Anforderungen in Ihre Standards.

4. Innovate (Innovieren)

Als Innovationstreiber entwickelt das CoE neue Produkte, Services und Ansätze, die das Unternehmen voranbringen.

Kernaufgaben:

  • Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen

  • Erzielung messbarer Geschäftsimpacts

  • Hinterfragen konventioneller Denkweisen

  • Erprobung neuer Ansätze und Methoden

Praxistipp: Reservieren Sie dedizierte Ressourcen für explorative Projekte ohne unmittelbaren ROI-Druck. Etablieren Sie eine "Fail Fast"-Kultur, die schnelles Experimentieren und Lernen fördert. Schaffen Sie Freiräume für kreatives Denken jenseits etablierter Strukturen.

Das Vizient-Beispiel: Ein praxiserprobtes Organisationsmodell

Das Beispiel von Vizient zeigt, wie ein strukturierter Ansatz zur KI-Organisation in der Praxis aussehen kann. Das Unternehmen hat ein durchdachtes Konstrukt für die Förderung der GenAI-Adoption und des Lernens in der gesamten Belegschaft entwickelt.

Mehrstufiger Organisationsansatz

Vizient's Modell umfasst mehrere Ebenen, die ineinandergreifen und verschiedene Funktionen erfüllen:

Geschäftsbereiche (Business Areas)

  • Consulting

  • Spend Management

  • Data and Digital Business

  • Weitere Fachbereiche

Diese Geschäftsbereiche sind durch eine Mischung aus Fachexperten (gelbe Markierungen) und IT-Mitarbeitern (grüne Markierungen) vertreten, was die notwendige Verbindung zwischen Domänenwissen und technischer Expertise sicherstellt.

GenAI Community of Practice Als verbindendes Element zwischen allen Geschäftsbereichen fungiert die GenAI Community of Practice. Sie ermöglicht den horizontalen Wissensaustausch und fördert die bereichsübergreifende Zusammenarbeit.

Praxistipp: Etablieren Sie klare Kommunikationskanäle zwischen der Community of Practice und den Geschäftsbereichen. Definieren Sie Rollen wie "KI-Champions" in jedem Bereich, die als Bindeglieder fungieren.

KI-Produktlinie (Centaur-Team) Unterhalb der Community of Practice hat Vizient ein spezialisiertes "Centaur-Team" etabliert, das sich auf die Entwicklung und Bereitstellung von KI-Produkten konzentriert, wie:

  • LLMs (Large Language Models)

  • Plugins

  • Prompt Management

Praxistipp: Stellen Sie sicher, dass das Produktteam eng mit den Geschäftsbereichen zusammenarbeitet, um anforderungsgerechte Lösungen zu entwickeln. Etablieren Sie agile Entwicklungsprozesse und kurze Feedback-Schleifen.

Foundational Platforms & Infrastructure Als Basis des Modells dienen grundlegende Plattformen und Infrastrukturen, die von der Unternehmens-IT (VizTech) bereitgestellt werden, darunter:

  • Cloud & Infrastruktur

  • Datenmanagement

Praxistipp: Stellen Sie sicher, dass die Infrastruktur skalierbar und flexibel genug ist, um mit dem wachsenden KI-Bedarf mitzuhalten. Etablieren Sie klare Service Level Agreements zwischen Infrastrukturteams und KI-Entwicklern.

Best Practices für den Aufbau einer erfolgreichen KI-Organisation

Basierend auf den vorgestellten Frameworks und erfolgreichen Implementierungen lassen sich folgende Best Practices für den Aufbau einer effektiven KI-Organisation ableiten:

1. Klare Führungsstrukturen etablieren

Eine erfolgreiche KI-Organisation beginnt mit klaren Führungsstrukturen und Verantwortlichkeiten:

  • Ernennung einer KI-Führungskraft mit direktem Zugang zur Geschäftsleitung

  • Etablierung eines funktionsübergreifenden KI-Steuerungskomitees

  • Definition klarer Entscheidungswege und Eskalationspfade

  • Regelmäßige Strategie-Reviews auf Führungsebene

2. Hybrides Organisationsmodell implementieren

Die meisten erfolgreichen KI-Organisationen folgen einem hybriden Modell, das zentrale Expertise mit dezentraler Anwendung verbindet:

  • Zentrales Center of Excellence für Expertise, Standards und Innovation

  • Dezentrale KI-Teams oder -Champions in Geschäftsbereichen

  • Klare Schnittstellen und Verantwortlichkeiten zwischen zentralen und dezentralen Einheiten

  • Flexible Ressourcenzuordnung basierend auf Projektanforderungen

3. Talententwicklung priorisieren

Der Erfolg der KI-Organisation steht und fällt mit den verfügbaren Talenten:

  • Entwicklung einer umfassenden KI-Talent-Strategie

  • Kombination von Neueinstellungen, Umschulungen und externen Partnerschaften

  • Schaffung attraktiver Karrierepfade für KI-Experten

  • Kontinuierliche Weiterbildung und Wissensaustausch

4. Kollaborative Kultur fördern

KI-Erfolg erfordert eine Kultur der Zusammenarbeit über Funktions- und Hierarchiegrenzen hinweg:

  • Etablierung funktionsübergreifender Teams für KI-Projekte

  • Schaffung physischer und virtueller Räume für Kollaboration

  • Anerkennung und Belohnung von Wissensteilung und Zusammenarbeit

  • Abbau von Silodenken durch gemeinsame Ziele und Anreize

5. Governance und Ethik integrieren

Nachhaltige KI-Organisationen berücksichtigen von Anfang an Governance und ethische Aspekte:

  • Entwicklung klarer Governance-Richtlinien für KI-Entwicklung und -Einsatz

  • Integration ethischer Prinzipien in Entwicklungsprozesse

  • Etablierung von Prozessen zur Risikobewertung und -minderung

  • Kontinuierliche Überwachung und Evaluation von KI-Systemen

Fazit: KI-Organisation als strategischer Erfolgsfaktor

Der erfolgreiche Aufbau einer KI-Organisation ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der strategisches Denken, organisatorische Flexibilität und kulturellen Wandel erfordert. Die vorgestellte 12-Monats-Roadmap und das Rollenmodell für das Center of Excellence bieten strukturierte Ansätze, um diesen Prozess systematisch anzugehen.

Unternehmen, die ihre KI-Organisation durchdacht aufbauen, schaffen die Voraussetzungen für nachhaltige Wertschöpfung durch KI-Technologien. Sie ermöglichen nicht nur die erfolgreiche Implementierung einzelner Anwendungsfälle, sondern etablieren die organisatorischen Grundlagen für eine kontinuierliche KI-getriebene Innovation und Transformation.

Das Beispiel von Vizient zeigt, dass ein durchdachter Organisationsansatz, der verschiedene Ebenen und Funktionen integriert, den Weg für eine erfolgreiche unternehmensweite KI-Adoption ebnen kann. Durch die Verbindung von Fachexpertise und technischem Know-how, zentraler Steuerung und dezentraler Anwendung sowie klaren Strukturen und kollaborativer Kultur entsteht eine KI-Organisation, die nachhaltig Wert schafft und das Unternehmen im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig hält.

Dieser Artikel basiert auf Best Practices und Frameworks für den Aufbau erfolgreicher KI-Organisationen. Die vorgestellten Konzepte wurden für maximale Praxisrelevanz und Anwendbarkeit adaptiert.


KI-Organisation: Strategischer Aufbau für nachhaltige Wertschöpfung als mindmap

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